Folteropfer berichten
Paldon Gyatso verbrachte 33 Jahre in verschiedenen chinesischen Gefängnissen und Arbeitscamps. Häufig musste er Folter und Misshandlungen erdulden. Seine Entlassung erfolgte im September 1992.
"Am 13. Oktober 1990 wurde ich ins Drapchi Gefängnis umgesiedelt. Paljor, den ich als einen brutalen und herzlosen Folterer kannte, wartete auf mich in der Verhörzelle. Meine Akten durchstöbernd, hob er seine Augenbrauen und sagte zu mir: "Ich sehe, Du warst zwei mal inhaftiert. Du musst ein schlechter Mensch sein. Warum bist du wieder hier?" Ich antwortete, dass ich Plakate in Lhasa aufgehängt habe. Paljor erhob sich langsam von seinem Stuhl und fragte: "Du willst also immer noch die Unabhängigkeit?" Ich verhielt mich ruhig und antwortete nicht. Paljor holte seinen Elektrostab hervor und schob ihn in meinen Mund und Magen. Ich verlor mein Bewusstsein. Als ich wieder aufwachte, fand ich mich selbst in meinem Erbrochen wieder. Ich hatte 20 Zähne verloren."
Ngawang Sangdrol wurde bereits im Alter von 13 Jahren verhaftet und verbüßte eine 11-jährige Haftstrafe. Aus verschiedenen Gründen wurde ihre Gefangenschaft immer wieder verlängert. Im Jahre 2003 wurde sie mit Hilfe internationaler Initiativen, die sich für ihre Freilassung einsetzten, entlassen.
"Seit Beginn meiner Gefangenschaft benutzten die chinesischen Offiziere verschiedenste Folterinstrumente, um meinen Willen zu brechen. Man folterte mich physisch und psychisch, damit ich den Dalai Lama diskreditiere. Meine Mitgefangenen wurden mit Elektrostöcken an sensiblen Körperstellen wie Mund, Unterarm und an den Handflächen misshandelt. Zudem wurden wir mit Stöcken, Röhren und Stäben verschiedenster Größe, mit dicken Lederriemen, mit schweren Metallschnallen und mit den Händen und Füßen im Kampfsport geübter Gefängniswärter geschlagen. Wir wurden mit hinter dem Rücken verbundenen Armen lange Zeit aufgehängt oder mussten regelmäßig in der direkten Sonne oder in extremer Kälte bewegungslos verharren und wenn wir zusammenbrachen, wurden wir geschlagen. Manchmal liefen wir auch zur Belustigung der Wärter um die Wette, während sie Steine nach uns warfen, weil wir zu langsam waren oder Worte chinesischer Lieder, die wir dabei singen mussten, falsch aussprachen. Die Misshandlungen begannen als ich ein 13-jähriges Kind war und dauerten die ganze Haftzeit an."
Der tibetische Mönch Tashi Phuntsok wurde im Zusammenhang mit den Verhandlungen um Tenzin Delek Rinpoche inhaftiert. Nach 2 Jahren und 9 Monaten wurde er trotz seiner 7 jährigen Haftstrafe im Januar 2005 frühzeitig entlassen. Tashi Phuntsok leidet unter verschieden physischen Folgeschäden der Haft. Nach seiner Freilassung war er nicht mehr in der Lage, zu laufen oder klar zu sprechen.
In einer Presseerklärung vom Januar 2005 berichtete Human Rights Watch: "Tashi Phuntsok betrat das Gefängnis als gesunder und verließ es als gebrochener Mann… die chinesischen Behörden müssen erklären, wie so etwas unter ihrer Aufsicht passieren konnte."
Tashi Phuntsok wurde im April 2002, 10 Tage nach der Gefangennahme von Tenzin Delek, inhaftiert. Tenzin Delek ist ein sehr berühmter "Lama", mit dem Tashi Phuntsok zusammen arbeitete. Tenzin Delek wurde in einem rechtswidrigen Strafverfahren zu Tode verurteilt, das später in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt wurde.
Die chinesischen Behörden inhaftierten für weitere Befragungen in diesem Zusammenhang sechzig Tibeter, die mit Tenzin Delek im Kontakt standen. Drei Mönche wurden zu einem Jahr Haftstrafe in einem "patriotischen Umerziehungslager" verurteilt. Einen älteren Dorfbewohner hat man ursprünglich zu fünf Jahren Haft verurteilt, er wurde dann aber nach 13 Monaten entlassen. Nach seiner Freilassung konnte er kaum noch laufen und hatte Seh- und Essprobleme. Zwei weitere Tibeter wurden während der Befragungen heftig geschlagen.
Das Tibetan Center for Human Rights and Democracy (TCHRD, Dharamsala, Indien) erhielt von einer glaubwürdigen Quelle die Information, dass Rinzin Wangyal Ende 2004 im Gefängnis verstarb.
Rinzin Wangyal verbüßte eine lebenslange Haftstrafe im Pawo -Trawo- Gefängnis. Nach Informationen des TCHRD hat sich sein gesundheitlicher Zustand durch kontinuierliche Folter während seiner jahrelangen Haft verschlechtert.
Rinzin Wangyal wurde zum ersten Mal 1966 verhaftet, weil er an einer Untergrundbewegung für die Unabhängigkeit Tibets mitwirkte. Er verbrachte 17 Jahre im Gefängnis. Es wurde berichtet, dass er während seiner Haft im Drapchi-Gefängnis regelmäßig gefoltert wurde.
Im August 1995 hat man ihn aufgrund des Verdachts der Teilnahme an einer regimekritischen politischen Bewegung erneut inhaftiert. Als es zu Protesten im Drapchi-Gefängnis kam, wurde seine 16-jährige Haftzeit zu einer lebenslangen Haftstrafe verlängert.
Im Januar 2003 starb Rinzin Wangyal in einem tibetischen Militärkrankenhaus. Laut öffentlichen Angaben litt er unter "Bluthochdruck, Diabetes, Arthritis und Asthma."

