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Tibet-News Oktober 2007

Liebe FreundInnen und FörderInnen von Tibet,

historisches Ereignis im Kanzleramt: der Dalai Lama trifft Bundeskanzlerin Merkel. Ein weiterer Meilenstein erwartet den Dalai Lama am 17. Oktober mit der Verleihung der Congressional Gold Medal in Washington. ICT überträgt dieses nicht minder bedeutende Ereignis live. Im scharfen Kontrast hierzu steht die Zuspitzung der Lage in Osttibet und das rigorose Vorgehen der chinesischen Behörden gegen Schulkinder in der tibetischen Stadt Labrang.

Ihr ICT-Team

INHALT:

  1. Aktuelles
  2. Sehenswert
  3. ICT in Aktion

1. Aktuelles

Bundeskanzlerin Merkel trifft den Dalai Lama im Kanzleramt

Bundeskanzlerin Merkel mit dem Dalai Lama. Foto: BPA/Guido Bergmann. Bundeskanzlerin Merkel mit dem Dalai Lama. Foto: BPA/Guido Bergmann.

Meilenstein in der deutschen Tibetpolitik: Bundeskanzlerin Angela Merkel empfing am 23. September in Berlin als erste Bundeskanzlerin offiziell den Dalai Lama. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erklärte, der Dalai Lama habe die Bundeskanzlerin „über sein Wirken als Religionsführer des tibetischen Buddhismus und über seinen Einsatz für seine tibetische Heimat unterrichtet“. Die Kanzlerin werde den Friedensnobelpreisträger in seinem Streben nach kultureller und religiöser Autonomie Tibets weiterhin unterstützen.

FDP-Parteichef Westerwelle bezeichnete Merkels Entscheidung als „kluge Courage“. Die bündnisgrüne Bundesvorsitzende Claudia Roth äußerte sich ebenfalls positiv und betonte, die Wahrung von Menschenrechten in Tibet liege eindeutig im Interesse Deutschlands. SPD-Parteischef Beck begrüßte das Treffen, kritisierte jedoch den Ort des Geschehens, den er sich „neutraler“ gewünscht hätte. In mehreren Hörfunk- und Fernsehinterviews betonte ICT-Geschäftsführer Kai Müller, der Dalai Lama brauche gerade beim sino-tibetischen Dialog dringend die Unterstützung der deutschen Bundesregierung. Fakt sei, dass sich die Lage in Tibet immer weiter zuspitze.

Das ICT-Pressestatement zum Treffen kann hier nachgelesen werden: http://www.savetibet.org/de/news/news.php?id=339

Situation in Ost-Tibet spitzt sich zu - ICT dokumentiert tibetischen Protest

Der Mönch Lupoe, Neffe Runggye Adaks, wurde am 21. August ebenfalls verhaftet. Der Mönch Lupoe, Neffe Runggye Adaks, wurde am 21. August ebenfalls verhaftet.

Die osttibetische Region Kham befindet sich seit Anfang August in Aufruhr. Auslöser hierfür ist die Festnahme des tibetischen Nomaden Runggye Adak, der öffentlich für die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet und für die Freilassung von namhaften politischen Gefangenen eingetreten war. Die chinesischen Behörden reagierten auf Proteste gegen Adaks Festnahme mit verstärkter Sicherheitspräsenz und lösten Ansammlungen zwar unblutig, aber mit Gewalt etwa unter Einsatz von Tränengas auf.

In der Folge wurden weitere Tibeter, darunter Verwandte Adaks, festgenommen. Das von Beobachtern als sehr mutig bewertete Eintreten Adaks und die darauffolgenden breiten Proteste stehen offenbar in Zusammenhang mit der Verschärfung sogenannter „patriotischen Erziehungskampagnen“ im Kloster Lithang und dessen Umfeld. Adak hatte zudem öffentlich die chinesische Landpolitik kritisiert, die für Konflikte unter den Tibetern gesorgt hatte. Großen Anlass zur Sorge geben Berichte über die Hinrichtung eines Tibeters sowie die erneute Verschärfung von sogenannten "patriotischen Erziehungsmaßnahmen" in Lithang.

Der Bericht "Crackdown worsens in eastern Tibet: execution of Tibetan prisoner, more detentions and intensified anti-Dalai Lama campaign" kann hier heruntergeladen werden (englisch): http://www.savetibet.org/news/newsitem.php?id=1172

ICT-Bericht: Tibetische Schulkinder wegen "Free Tibet" - Graffiti festgenommen und misshandelt

Die Schule von Bora. Rest ist zu lesen: Die Schule von Bora in Labrang. Rechts ist zu lesen: "Die Grundlage des Hundertjahresplans ist Bildung."

Vier Schüler im Alter von 15 Jahren aus der tibetischen Stadt Labrang befinden sich nach wie vor in Haft, weil ihnen vorgeworfen wird, für Graffitis mit dem Slogan "Free Tibet" und der Forderung nach der Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet verantwortlich zu sein. Berichten zufolge wurden die Schüler in der Haft geschlagen und in Einzelhaft gehalten.

Ursprünglich waren Dutzende von Schülern unmittelbar nach Entdeckung der Graffitis an Gebäuden der Bora-Mittelschule und der örtlichen Polizeiwache festgenommen und Lehrer verhört worden. Insgesamt sieben Schüler im Alter von etwa 14 und 15 Jahren sind in der Folge in Haft gehalten worden, wobei drei nach Zahlung von hohen Bußgeldern wieder freigelassen worden sind. Einer dieser Schüler befindet sich Berichten zufolge in stationärer Behandlung, da er offenbar durch Schläge des Sicherheitspersonals beträchtliche Kopfverletzungen davongetragen hat. Alle sieben Schüler wurden zu schwerer Zwangsarbeit herangezogen. Es handelt sich ausschließlich um Kinder aus nomadischen Familien.

Mehr Informationen über den Vorfall können Sie hier erhalten (englisch): http://www.savetibet.org/news/newsitem.php?id=1170.

2. Sehenswert

Sehenswert: ICT überträgt die Verleihung der Congressional Gold Medal an den Dalai Lama online!

Der Dalai Lama in Washington. Foto: ICT.

Einmaliges Ereignis in den Vereinigten Staaten: der Dalai Lama erhält am 17. Oktober die höchste Auszeichnung der USA für Zivilpersonen, die Congressional Gold Medal! Vor ihm erhalten haben diese Ehrung Persönlichkeiten wie George Washington, Nelson Mandela oder Papst Johannes Paul II. Zugegen sein wird die politische Führung der Vereinigten Staaten, darunter die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Pelosi und Präsident George W. Bush. Wie auch aus Anlass des Treffens mit Angela Merkel hat die chinesische Führung scharf gegen die Ehrung protestiert. Der Sondergesandte des Dalai Lama, Lodi Gyari, bezeichnete sie hingegen als "große Chance, dem Dalai Lama zuzuhören". Präsident Bush wird mit dem geistigen Oberhaupt der Tibeter dem Vernehmen nach am kommenden Dienstag zusammenkommen.

ICT überträgt die Feierlichkeiten in Washington live! Registrieren Sie sich online und seien Sie bei diesem historischen Ereignis dabei!

Die Live-Übertragung können Sie am 17. Oktober hier verfolgen (Hinweis: die Übertragung kann auch ohne Anmeldung verfolgt werden): http://webcast.savetibet.de.

Und das können Sie am 17. Oktober von ca. 16.30 bis 22.00 Uhr deutscher Zeit live mitverfolgen:

  • Verleihung der Congressional Gold Medal an den 14. Dalai Lama; Ansprache der Sprecherin des Repräsentantenhauses Pelosi;
  • öffentliche Ansprache des Dalai Lama auf dem "West Lawn" des Kapitols in Washington, vor vermutlich Tausenden von Unterstützern;
  • Kulturprogramme rund um die Verleihungszeremonie auf dem Kapitolgelände, u.a. mit Richard Gere, Vorsitzender der International Campaign for Tibet.

ICT organisiert in Zusammenarbeit mit anderen Tibet-Organisationen rund um die Verleihung am 17. Oktober ein Rahmenprogramm, das vermutlich Tausende von Tibet-Unterstützern und Schaulustigen anlocken wird.

Das Rahmenprogramm kann hier angesehen werden: http://www.dalailamadc.org/WestLawn.

3. ICT in Aktion

Rückblick: Tibet läuft mit beim Berlin-Marathon

Erschöpft, aber glücklich: ICT-Läufer Billib mit Tibet-Fahne. Foto: Martin Helmbrecht. Erschöpft, aber glücklich: ICT-Läufer Billib mit Tibet-Fahne. Foto: Martin Helmbrecht.

"Supporteamtibet" und "Unterstützung für Tibet" - mit diesen Slogans sind beim diesjährigen Berlin-Marathon neun deutsche Sportler/innen symbolisch für ein „Team Tibet“ an den Start gegangen und mit der tibetischen Nationalflagge durch das Brandenburger Tor gelaufen, um damit auf die schlechte Menschenrechtslage auf dem „Dach der Welt“ im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking aufmerksam zu machen.

Organisiert wurde die Aktion von ICT, der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg der Tibet-Initiative und dem Verein der Tibeter in Deutschland. Zahlreiche Tibet-Unterstützer haben die Läufer mit Transparenten und tibetischen Fahnen angefeuert. Mit dem Lauf erklärten die Sportler und Unterstützer ihre Solidarität für das „Team Tibet“.

Tibet ist bei der Olympiade als eigenständiger Teilnehmer nicht zugelassen. Trotzdem haben sich junge tibetische Sportler zu einem Team Tibet zusammengeschlossen und ihre Bewerbung zur Teilnahme an der Olympiade beim Internationalen Olympischen Komitee eingereicht. Eine Antwort des IOC steht noch aus.

Die Webseite der ICT-Olympia-Kampagne können Sie hier besuchen: http://de.racefortibet.org/.