Gefangene des Drapchi-Gefängnisses, bei der Teilnahme an Militärübungen.
Willkürliche Festnahmen, Verhaftungen und lange Gefängnisstrafen sind immer noch eine häufig verwendete Methode, um Widerstand von Tibetern gegen die chinesische Regierung zu unterdrücken. Tibetische politische Gefangene sind harten Haftbedingungen ausgesetzt. Häufig werden sie gefoltert, Nahrung wird ihnen vorenthalten oder sie werden über lange Zeit in Isolationszellen gesperrt, in denen sie kaum das Tageslicht sehen.
Anlass für Verhaftungen sind: Drucken von politischen Flugblättern, Bildung von "konterrevolutionären" Organisationen, Spionage und Weitergabe von Informationen an die "Dalai-Clique", das Rufen "reaktionärer Slogans", Anstiftung zu "reaktionären Liedern", das Hissen oder der Besitz der tibetischen Flagge, "fehlende Reformbereitschaft" und die Teilnahme an Demonstrationen.
Folter ist in Gefängnissen, Straf- und Arbeitslagern in ganz Tibet weiterhin an der Tagesordnung. Dabei wenden die chinesischen Sicherheitsbehörden immer raffiniertere Foltermethoden an. Beispielsweise setzt man die Gefangenen extremen Temperaturen aus, um keine sichtbaren Spuren am Körper zu hinterlassen.
Hintergrundpapiere:
Wichtige politische Gefangene
Gedhun Choekyi Nyima: Kurz nachdem er vom Dalai Lama als 11. Panchen Lama anerkannt wurde, entführte die chinesische Regierung Gedhun Choekyi Nyima im Mai 1995 (im Alter von 6 Jahren). Trotz wiederholter Versuche Zugang zu dem Jungen zu erhalten, ist es noch keiner internationalen Organisation gelungen, Kontakt zu ihm oder seiner Familie herzustellen. Er wird seit 11 Jahren vermisst.
Tenzin Delek Rinpoche: Der bekannte Lama aus Nyagchu in der Region Lithang (Osttibet), wurde am 7. April 2002 im Alter von 55 Jahren verhaftet. Tenzin Delek setzte sich vor allem für den Bau von Klöstern, Schulen und Kinderheimen ein. Im Dezember 2002 verurteilte man ihn wegen des Verteilens von Flugblättern und wegen eines Bombenattentats, das ihm die chinesischen Sicherheitsbehörden anlasteten, zu Tode.
Am 26. Januar 2005 wurde diese Todesstrafe von Tenzin Delek in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. ICT fordert die sofortige Freilassung von Tenzin Delek Rinpoche!
Bangri Chogtrul Rinpoche: Bangri Chogtrul Rinpoche wurde zusammen mit seiner Frau Nyima Choedron in Lhasa verhaftet, nachdem ein Bauarbeiter vergeblich versucht hatte, eine chinesische Flagge vor dem Potala Palast durch eine tibetische Flagge zu ersetzen, und sich dann in die Luft zu sprengen. Der versuchte Anschlag wurde mit Bangri Tsamtrul Rinpoche in Verbindung gebracht, da der Bauarbeiter zuvor für ihn tätig gewesen war. Schon wenige Stunden später wurde das Ehepaar inhaftiert. Bangri Chogtrul Rinpoche leitete zusammen mit seiner Frau das Gyatso Kinderhaus in Lhasa, das nach dem Vorfall von den Behörden geschlossen wurde. Das Kinderhaus hatte finanzielle Unterstützung von amerikanischen und europäischen Geldgebern erhalten.
Jigme Gyatso: Der Tibeter Jigme Gyatso wurde am 30. März 1996 in Lhasa verhaftet, da er der Gründung einer tibetischen illegalen Organisation beschuldigt wurde. Einem Bericht des Tibetischen Zentrums für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) zufolge, verteilte Jigme Gyatso Flugblätter und brachte Plakate an, in denen er sich für die Unabhängigkeit Tibets aussprach. Zudem gründete er im Jahr 1992 eine Untergrundorganisation namens "Association of Tibetan Freedom Movement". Nachdem der Tibeter Tsering Samdrub, ein Mitglied dieser Gruppe, 1993 verhaftet und ins Drapchi-Gefängnis verbracht worden war, versuchte Jigme Gyatso vor der Polizei zu fliehen, was ihm drei Jahre lang gelang. 1996 wurde er ebenfalls in Lhasa festgenommen.
Ngawang Phulchung: Ngawang Phulchung ist ein buddhistischer Mönch aus dem Drepung-Kloster und wurde 1989 im Alter von 35 Jahren verhaftet. Er wurde wegen der Gründung einer "konterrevolutionären Clique", wegen "aufrührerischer Tendenzen" und der "Unterwanderung der nationalen Sicherheit" zu 19 Jahre Haft verurteilt. 1991 verprügelte man ihn und verlegte ihn in Einzelhaft, als er versuchte, dem U.S.-Botschafter bei einem Besuch des Drapchi-Gefängnisses Informationen über die Menschenrechtslage zukommen zu lassen.
Freigelassene politische Gefangene
Phuntsog Nyidron: Die tibetische Nonne Phuntsog Nyidron, die wegen friedlicher Proteste im Jahre 1989 zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, konnte am 15. März 2006 in die Vereinigten Staaten ausreisen. Da die Siebenunddreißigjährige in der chinesischen Haft gefoltert und misshandelt wurde, leidet sie seit langem unter einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Sie wurde der International Campaign for Tibet (ICT) übergeben, die sich auch um ihre medizinische Versorgung kümmert. Phuntsog Nyidron war ursprünglich zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Die Strafe wurde allerdings um acht Jahre verlängert, weil sie zusammen mit dreizehn anderen Nonnen im Drapchi-Gefängnis Protestlieder auf ein Tonband aufgenommen hatte. Diese Lieder sorgten für internationales Aufsehen, nachdem sie 1993 aus dem Gefängnis geschmuggelt worden waren.
- Pressemitteilung - Politische Gefangene ICT übergeben - Phuntsog Nyidron, letzte der "Singenden Nonnen" in die USA ausgereist
- Aktuell: Song of Sadness - Prozessunterlagen gewähren neue Einblicke in das Schicksal der "Singenden Nonnen"
Ngawang Sangdrol, eine tibetische Nonne, wurde 1992 im Alter von 15 Jahren verhaftet. Man verurteilte sie aufgrund der Teilnahme an einer friedlichen Demonstration gegen die chinesische Okkupation Tibets. Ihre Haftzeit wurde von anfänglich drei Jahren wegen mehrerer Vorfälle auf insgesamt 23 Jahre verlängert. Sie litt unter chronischen Kopfschmerzen und Magenproblemen.
Dank des enormen internationalen Drucks wurde sie im Oktober 2002 (9 Jahre vor dem Ende ihrer Haftzeit) entlassen. Im April 2003 konnte sie in die USA ausreisen, wo sie medizinisch versorgt wurde. Derzeit lebt sie in den Vereinigten Staaten.




